Die Orgel in St. Karl-Borromäus

Die erste Orgel

Über die erste Orgel ist nur wenig bekannt. Sie wurde wohl kurz nach der Fertigstellung der Pfarrkirche in Auftrag gegeben und gebaut. Die Finanzierung muß ein Problem gewesen sein, denn die Orgel wurde nach dem sogenannten Multiplex-Verfahren gebaut. 

Bei diesem System werden durch entsprechende Schaltungen aus einer Pfeifenreihe mehrere Register erstellt. Das heißt also, daß das Instrument mit einer reichlichen Anzahl von Registern aufwachten konnte und nur wenige Pfeifen brauchte. Somit wurde eine Menge Geld gespart.

Diese Bauweise ist heutzutage nicht mehr anzutreffen. Aus gutem Grund, denn klanglich und künstlerisch kann eine solche Orgel nicht überzeugen.

 

Die neue Orgel

Nach dem Aufbau der neuen Orgel wurde das erste Instrument in einer Ecke des Pfarrsaals aufgebaut und stand dort noch bis zur Renovierung des gesamten Jugendheims Ende der achtziger Jahre. Die Multiplex-Orgel wurde nun endgültig abgebaut, weil sie nicht mehr spielbar war.

Wohl Anfang der fünfziger Jahre wurde bei der Firma Ernst Seifert in Bergisch-Gladbach eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Die Disposition, welche sich teilweise nach den Vorstellungen der sogenannten „Orgelbewegung“ aus den dreißiger Jahren orientiert, erstellte der damalige Kantor Josef Landwehr zusammen mit Herrn Prof. Joseph Zimmermann, damals Domorganist und zuständiger Diözesanbeauftragter.

Am 7. November 1954 wurde die Orgel eingeweiht. 
Das Instrument selbst könnte man als eine Rarität bezeichnen. Denn das Windladensystem, von Ernst Seifert erfunden, besteht aus sogenannten Taschenladen, welche nur sehr selten im 20. Jahrhundert gebaut wurden und heutzutage nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Dieses Ventilsystem hat auch einen entscheidenen Nachteil: Die Taschen bestehen aus Ziegenfell, die nach ca. 30 Jahren vollständig verschleißen.

Daher wurde 1991 eine Überholung des Instrumentes unausweichlich, trotz eines Wartungsvertrages und regelmäßiger Pflege bis dahin. Die Firma Romanus Seifert, Kevelaer, übernahm die Renovierungsarbeiten. Dabei wurden nicht nur sämtliche Taschen ausgetauscht, sondern das komplette Windladensystem überprüft und abgedichtet.

Auf Wunsch des Kantors Eberhard Lang wurden auch zwei Register „umgebaut“ : Aus den Registern Offenflöte 8‘ und Salizional 8‘ entstand  durch Umstimmen des Salizionals eine Schwebung. Die Rauschpfeife 2-fach änderte die Firma durch Stillegung der 2′ – Pfeifen zur Quinte 2 2/3‘ um. Klanglich hat sich nach den Arbeiten nicht viel geändert.

Wohl aus Kostengründen entstanden die meisten Pfeifen im Jahre 1954 aus Zink (statt Zinn und Blei) und mit zu geringem Durchmesser. Das Klangfundament ist dadurch teilweise doch ziemlich eingeschränkt:

Im Rückpositiv lassen die zwei 8′ Labialstimmen mit ihren engen Mensuren und schwacher Intonation an Tragfähigkeit für die übrigen Register zu wünschen übrig. Ein Austausch beispielsweise des Gemshorn 8′ durch eine tragfähige Flöte 8′ ist nicht möglich, weil die Pfeifendurchmesser viel zu groß wären (weite Mensur), und das Rückpositiv neu gebaut werden müßte. Der Prinzipal 8′ im Hauptwerk hat klanglich mit einem Prinzipal, wie wir ihn aus der klassischen Orgelbauzeit kennen und lieben, so gut wie nichts zu tun und klingt etwas streichend. Die Durchmesser der Pfeifen sind auch hier zu klein (zu enge Mensur). 

Das Schwellwerk ist von der Disposition her und klanglich als zufriedenstellend zu bezeichnen. Alle Mixturen der Orgel sind vom Material her billigst gefertigt und damit klanglich nicht befriedigend und werden deshalb nur sparsam eingesetzt. Aber ein guter Organist wie unser Kantor M. Horstschäfer kennt diese Mängel und weiß die Orgel entsprechend kunstvoll zu registrieren, so daß die Gemeinde nur bei genauem Hinhören und Vergleichen diese klanglichen Einschränkungen vernimmt.

Diese Aussagen artikuliert ein Orgelfreund, der schon viele Instrumente gehört und gesehen hat, darunter auch einige Orgeln in anderen Vorortgemeinden, die in ähnlicher Zeit und wohl auch unter ähnlichen Verhältnissen gebaut wurden, aber von befriedigendem Klang sind.

Trotzdem ist die Orgel heute technisch in einwandfreien Zustand. Das Windladensystem bietet ausreichenden Winddruck, Magazine und Bälge sind gut dimensioniert, und das Ganze ist sehr gut abgedichtet. Die thermischen Verhältnisse in der Kirche bieten eine erstaunlich stabile Stimmungskonstanz der Pfeifen untereinander. Die Elektroanlage ist auch ausreichend ausgeführt und liefert eine stabile Arbeitsspannung für Spieltisch und elektrischen Spielmagneten. 

Auf dringenden Wunsch des ehemaligen Kantors Eberhard Lang wurde mit der Firma Romanus Seifert ein Wartungsvertrag abgeschlossen. Es ist aber nicht ungewöhnlich, daß dann und wann auch kleinere Störungen auftreten. Zusammen mit Herrn Lang hat der Autor dieser Zeilen solche Fehler recht schnell beheben können. Auch haben wir das Instrument besonders vor festlichen Gottesdiensten oder Konzerten nachgestimmt. Selbstverständlich stehe ich auch weiterhin für solche Arbeiten zur Verfügung !

So ist die Orgel auch heute für den Gemeindegesang und beschränktes Literaturspiel bereit.

Möge sie trotz gewisser klanglicher Unzulänglichkeiten noch viele Jahre zum Lobe Gottes erklingen! 

Quelle: Eberhard Lang, Heribert Wiesehof 

Die Disposition der Ernst-Seifert-Orgel in der Kath. Pfarrkirche St. Karl Borromäus 1954 / 1991: 

     
Hauptwerk II. Man.  Rückpositiv I. Man. 
Pommer16‘ Quintatön8‘
Prinzipal8‘ Gemshorn8‘
Gedackt8‘ Blockflöte4‘
Oktave4‘ Prinzipal2‘
Rohrflöte4‘ Larigot1 1/3‘
Spitzflöte2‘ Zimbel3 fach
Quinte2 2/3‘ Krummhorn8‘
Mixtur5-6 fach   
Trompete8‘ Tremulant 
     
Schwellwerk III. Man.   Pedal  
Ital. Prinzipal8‘ Prinzipalbaß16‘
Offenflöte8‘ Subbaß16‘
Schwebung mit Offenfl.8‘ Pommer16‘ Transm.
Praestant4‘ Oktavbaß8‘
Nachthorn4‘ Gedacktbaß8‘
Waldflöte2‘ Choralbaß4‘
Sifflöte1‘ Oktavflöte2‘
Sifflöte2 fach Hintersatz5 fach
Scharff4-5 fach Posaune16‘
Dulzian16‘ Baßtrompete8‘ Transm.
Schalmei8‘   
     
Tremulant    
     
Alle Normalkoppeln sowie Suboktave I an II
2 freie Kombinationen zuzüglich 1 freie Pedalkombination
Registerschweller oder: Crescendowalze
elektrische Spiel- und Registertraktur, Taschenladen